Privacy First Website: Warum wir keinen Cookie-Banner mehr haben

Maria Preußmann
Erstellt von Maria Preußmann Content Manager

8 Minuten

Wir haben uns entschieden, auf das Sammeln von persönlichen Daten mittels Marketing-Cookies auf unserer Website zu verzichten. Denn es gibt Google Analytics Alternativen, mit denen wir Daten unserer Website-Besucher:innen erhalten und gleichzeitig ihre Privatsphäre schützen.

Im Oktober 2022 haben wir uns dazu entschieden, keine Marketing-Cookies mehr zu setzen und damit auf das Sammeln von persönlichen Daten unserer Website-Besucher:innen zu verzichten. Warum haben wir das getan?

In diesem Artikel beleuchten wir, was es heißt, persönliche Daten im Netz zu sammeln, welche Gründe uns dazu bewogen haben, eine Alternative zu Google Analytics zu suchen und weshalb wir schließlich für unser Website Tracking auf den Anbieter Plausible umgestiegen sind.

Wann werden persönliche Daten erfasst?

Sobald eine Person persönliche Informationen wie Name oder E-Mail-Adresse auf einer Website übermittelt, werden diese an den Websitebetreiber übertragen und von diesem verarbeitet. Man kann davon ausgehen, dass der Nutzer weiß, dass Daten übermittelt, verarbeitet und möglicherweise gespeichert werden.

Nicht so einfach nachvollziehbar ist es, wenn Cookies auf der Website gesetzt werden. Viele Besucher:innen geben zwar ihr Einverständnis per Cookie-Banner, wissen aber gar nicht, was das genau bedeutet. Akzeptieren sie das Setzen von Cookies, werden Daten in einem Cookie gespeichert, die es dem Webseitenbetreiber ermöglichen, den wiederkehrenden Besucher eindeutig zu identifizieren. Diese Informationen können dann verwendet werden, um das Navigationsverhalten des Benutzers zu verfolgen oder gezielt Werbung auszuspielen.

Beispiele für die Erfassung von persönlichen Daten mittels Cookies:

  • Einbindung von YouTube Videos
  • Einbindung von Google Maps
  • Einbindung von Tracking Services wie Google Analytics oder Hotjar
  • Einbindung von AB-Testing Tools wie Google Optimize

Cookies werden auch aus technisch notwendigen Gründen gespeichert. Das ermöglicht grundlegende Funktionen, die Besucher:innen helfen, die Website in der gewünschten Sprache zu nutzen oder einen Artikel im Warenkorb des Online-Shop zu speichern. Ohne diese Cookies müssten die User:innen diese Einstellung jedes Mal erneut vornehmen, wenn sie die Seite besuchen. Da technische Cookies die Nutzer:innen unterstützen, explizit gewünscht sind und keine persönlichen Daten enthalten, ist es angemessen, sie zu setzen.

Vorteile, auf Google Analytics zu verzichten

Wir haben einen großen Kritikpunkt am Cookie-Banner: Die Option Cookies anzunehmen oder abzulehnen wurde eingeführt, um die Privatsphäre des Endverbrauchers zu schützen. Es geht also um den Verbraucherschutz, doch kaum ein Verbraucher versteht, was von ihm gefordert wird.

Letztendlich ist der Endverbraucher unserer Ansicht nach nicht angemessen davor geschützt, dass Daten von ihm erfasst werden. Im Gegenteil: er fühlt sich genötigt, der Erfassung von Daten zuzustimmen, um Inhalte im Netz konsumieren zu können.

Wir sind der Überzeugung, dass angemessene Privatsphäre nur durch Privacy by Design Lösungen möglich ist. Erst gar keine personenbezogenen Daten zu erfassen, ist solch eine Lösung.

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Mehr zum Cookie Banner erfährst du in unserer Podcast-Folge “Consent Management Gone Wrong: Does Your Cookie Banner Work as Expected?”

Übersichtliche Darstellung von KPIs

Sammelst du nicht unnötig viele Daten, behältst du leichter den Überblick über relevante Informationen.

Wie es auf vielen Websites üblich ist, haben wir bis vor Kurzem auch auf bleech.de Google Analytics eingebunden, um das Interesse von Besuchern auf unserer Website nachvollziehen zu können und um darauf zu reagieren. Google Analytics erfasst viele verschiedene Daten und ermöglicht entsprechend viele Auswertungsmöglichkeiten. Um bei der Masse an Informationen den Überblick über die wichtigsten Informationen zu behalten, mussten wir uns extra ein Dashboard von einem Tracking-Experten aufsetzen lassen.

Vollständige Daten

Wenn du keine Zustimmung mehr vom Nutzer brauchst, weil du keine persönlichen Daten trackst, sind Daten nahezu vollständig.

Es gibt einen großen Nachteil beim personalisierten Tracking: Seit Einführung des Cookie Banners werden nur Nutzerdaten nur von denen erfasst, die dem Tracking zustimmen. Da viele Website-Besucher:innen Cookies ablehnen, heißt das im Umkehrschluss, dass du gar nicht mehr weißt, wie viele Nutzer:innen tatsächlich auf deiner Website waren. Mit Privacy Friendly Tools werden die Daten nahezu zu aller Besucher erfasst und man erhält ein vollständigeres Bild.

Bessere UX

Auf einer Website ohne Cookie-Banner werden Besucher:innen nicht mehr belästigt und genötigt, etwas zuzustimmen oder abzulehnen.

Viele haben sich wohl schon daran gewöhnt, den Cookie Banner möglichst schnell loszuwerden, indem sie “Akzeptieren” klicken oder sich durch die erweiterten Einstellungen scrollen, um Marketing-Cookies abzulehnen. Eine angenehme Erfahrung ist das nie.

Menschen, die weniger technikaffin, motorisch oder optisch eingeschränkt sind, können vom Cookie-Banner sogar so stark behindert werden, dass sie die Website wieder verlassen, oder mit einem überlappenden Cookie-Banner durch die Seite navigieren. Besonders auf dem Tablet und Smartphone blockieren Cookie-Banner oft die gesamte Website. Sind Informationen schlecht lesbar und Buttons zu klein zum Klicken, wird es für diese Personen schwierig, den Website-Inhalt zu erreichen.

Zuletzt sei erwähnt, dass wir auf unserer Website auch Besucher:innen aus den USA ansprechen und auf diese Weise mit Websites konkurrieren, die ohne Banner auskommen.

Schnellere Seitenladezeit

Ohne Cookie Banner kannst du die Page Speed deiner Website verbessern.

Aus unserer Erfahrung haben Websites die größten Probleme mit einer schlechten Page Speed, weil sie im Hintergrund Tracking Scripte laden. Seit wir auf unserer Website auf diese Hintergrunddienste verzichten, hat sich unsere Seitenladezeit verbessert und die technische PageSpeed Optimierung vereinfacht.

Mehr Vertrauen

Verzichtest du auf das Sammeln von persönlichen Daten, zeigt das, dass du Privatsphäre und Datenschutz ernst nimmst.

Durch datenschutzfreundliches Tracking erfasst du alle relevanten KPIs für deine Webanalyse, ohne dass sie auf eine bestimmte Person zurückzuführen sind. Auf personalisierte Daten zu verzichten bedeutet, dass du dich verpflichtet fühlt, die Privatsphäre deiner User:innen zu schützen. Das kann dazu beitragen, dass deine Besucher:innen ein größeres Vertrauen in dein Unternehmen gewinnen. Zudem wird dein Unternehmen eher als verantwortungsvoll und ethisch handelnd wahrgenommen, was sich positiv auf dein Image auswirken kann.

Welche DSGVO-konforme Google Analytics Alternativen gibt es?

Möchtest du die Privatsphäre deiner User:innen schützen, aber trotzdem Daten erfassen, die dir Aufschluss über die Performance deiner Website geben? Wir haben uns bei der Suche nach einer Google Analytics Alternative folgende Tools angeschaut:

  • Matomo Analytic und Piwik Pro sind Tools, die wie Google Analytics eine riesige Menge an Daten verarbeiten, einen sehr großen Funktionsumfang bieten, aber auch zu 100% datenschutzfreundlich eingerichtet werden können. Eine intensivere Einarbeitung und Einrichtung ist allerdings notwendig.
  • Netlify Analytics und Vercel Analytics bieten eigene, auf Serverdaten basierende Analysen an, die für moderne Stacks eine gute Alternative darstellen.
  • Plausible Analytics ist Open Source und bietet Pläne an, die für 50+ Websites gelten. Daten werden in der EU gehostet. Der Anbieter scheint ausgereifter zu sein als andere Dienste.
  • Simple Analytics werben mit einigen interessanten Funktionen wie E-Mail-Reports und Smartphone-Widgets.
  • Fathom Analytics ist sehr stolz darauf, dass sie Werbeblocker umgehen können. Damit sind wir nicht einverstanden, weil wir der Meinung sind, dass die getroffene Entscheidung über die Privatsphäre missachtet wird.

Plausible, Simple Analytics und Fathom haben in den letzten zwei Jahren viel erreicht. Die Teams hinter den Tools sind klein und ohne Finanzierung geblieben. Beeindruckend ist, was sie in Bezug auf die Tiefe und Reife ihrer Produkte, Integrationen, Marketing und Dokumentation aufgebaut haben. Für uns ist es jedoch etwas bedenklich, einem Unternehmen mit nur einer Person zu vertrauen, wenn es um strategische, langfristige Entscheidungen im Namen unserer Partner geht.

Entscheidung für Plausible

Wir haben uns letztendlich dazu entschieden, Plausible Analytics zu nutzen. Über diesen Anbieter erfassen wir zum Beispiel Total Pageviews und Unique Visitors. Auch wenn dieses Tool von Adblockern deaktiviert werden kann oder unsere eigenen Pageviews erfasst, erhalten wir eine wesentlich bessere Datenlage als wenn ein wesentlicher Teil unserer Besucher das Setzen von Cookies ablehnt.

Plausible ist gegenüber Google Analytics wesentlich einfacherer aufgebaut und liefert einen schnellen Überblick über wichtige Kennzahlen.

Gibt es alternative Strategien, Kunden trotzdem personalisiert anzusprechen?

Personalisiertes Tracking scheint der einzige Weg geworden zu sein, seine Zielgruppe und Kunden besser kennenzulernen. Ist das wirklich so?

Bei Informationen, die über Drittanbieter gesammelt werden, spricht man auch von Third Party Daten. Davon sind viele vorhanden, sie werden viel genutzt, aber sie stehen entgegen dem Privacy-First Ansatz.

Bei sogenannten First Party Daten handelt es sich um Daten von bereits vorhandenen Kund:innen, die bereits intern in deinem Unternehmen erfasst sind (CRM Daten). Sie sind schwieriger zu generieren und werden deshalb weniger genutzt.

Vorteile gegenüber Drittanbieter Daten sind:

  • eine höhere Qualität
  • mehr Tiefe
  • Einzigartigkeit

Wichtig ist, dass du dich als Unternehmen nicht von Third Party abhängig machst. Denn es liegt nicht in deiner Kontrolle, wie lange Drittanbieter Daten speichern oder ob sie aufgrund von neuen Gesetzen Daten löschen müssen.

Wir sind davon überzeugt, dass sich Unternehmen in Zukunft nicht mehr auf Third-Party-Daten verlassen sollten, sondern zurück zu ihren bestehenden Kunden gehen müssen. Wenn diese Kunden zufrieden sind und Vertrauen haben, geben sie gerne persönliche Informationen weiter. Das sind aus unserer Erfahrung die besten Kunden.

Fazit

Wir glauben, dass sich in Zukunft mehr Unternehmen bewusst werden, dass ihre Tracking-Daten aufgrund von Datenschutzentscheidungen immer ungenauer werden. Und wir sind davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis nutzerorientierte Datenschutzstandards in Browsern fest verankert werden. Privacy-first Entscheidungen jetzt zu treffen ist eine zukunftssichere Chance, genaue und aussagekräftige Analysedaten unter Wahrung der Privatsphäre zu erhalten.

Anfangs dachten wir, es gäbe viele Nachteile, auf personalisiertes Tracking zu verzichten. Aber im Gegenteil – es gibt viele Vorteile:

  • Keine Trackinglücken: nahezu alle Besucher:innen werden erfasst.
  • Höhere Nutzerfreundlichkeit durch Wegfall des Consent-Banners.
  • Verbesserung der Page Speed deiner Website, da sich die Anzahl der geladenen und ausgeführten Scripte verringert.
  • Einfache und schnelle Einrichtung.
  • Übersichtliche Darstellung der Kennzahlen ohne lange Einarbeitung (für Google Analytics sind häufig Experten gefragt, die dir die Auswertungen auf deinen Bedarf anpassen).
  • Höheres Vertrauen der Nutzer:innen in deine Website, weil du keine personenbezogenen Daten sammelst.

Hast du dich als Website-Betreiber:in schon mal hinterfragt, ob du die persönlichen Daten, die du über Analytic-Tools sammelst, überhaupt brauchst? Kannst du dir vorstellen, auf Google Analytics zu verzichten und auf eine Privacy Friendly Alternative umzusteigen? Teile diesen Post und erzähl uns von deinen Erfahrungen!

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